Viken bedeutet Meerbusen.
Das erste Foto zeigt ein Luxus-Trocken-WC in der Nähe von unserem Ankerplatz.
Dieser Naturhafen ist ein Idyll. Bis auf kreischende Möwen, die auch mal ein Entenküken nach zwei Flugangriffen erwischen und mit einem Happs verschlingen… Ach ja, und die Fußballfans auf der Mini-Schäre in der Mitte der Bucht, die das Fußballspiel am Abend vorher (keine Ahnung welches) lautstark verfolgten.
Die Bucht ist ein kleines Paradies in der man sicher einige Tage zum Entspannen verbringen kann. Nachdem wir zuvor einige Tage in Bullandö lagen, wollen wir nicht schon wieder mehrere Tage an einem Ort verbringen und starten um kurz vor 09.00 Uhr. Auch beim Herausfahren laufen wir nur mit geringer Fahrt durch das enge Fahrwasser. Einerseites wollen wir jegliche Grundberührungen vermeiden, andererseits genießen wir die Nähe zu den bewaldeten Schären. An einer besonders engen Stelle liegt ein schwedischer Segler mit Heckanker am Felsen und versperrt gut 1/3 des freien Wassers. Wir reduzieren die Geschwindigkeit ein weiteres Mal und hoffen, dass wir seine schräg ins Wasser laufende Ankerleine nicht mit unserem Kiel berühren. Ansonsten würden wir ihn sicher etwas unsanft aus dem Schlaf zerren. Es passt und wir können wieder beschleunigen.
Unsere geplante Tagesroute läuft erst durch ein betonntes Fahrwasser gen Norden, dann soll es den Blidösund zwischen den Inseln Yxlan und Blidö Richtung Nordost gehen. Seglerisch sind unsere Erwartungen eher gering, da der Wind aus Nord weht. Am Nachmittag soll es etwas mehr pusten, vielleicht können wir dann einen Teil segeln.
Der Wind weht in sehr unterschiedlicher Stärke: Zeitweise mit 11 kn, in böigen Phasen mit 20 kn. Bei 7/8 Bewölkung kommen immer wieder ein paar Regentrofen aus den Wolken. Wir ziehen immer mehr warme Bekleidung an. Wind und kalte Temperaturen sind ja ok, wenn nur die Sonne scheinen würde. Der Wind passt sich im Sund der Ausrichtung des Tals an und kommt etwas moderater aus Nordost. Zum Kreuzen im engen Fahrwasser reicht es nicht. Erst am Ende des Sundes frischt er wieder auf.
Der Sund mündet in das enge Hauptfahrwasser nach Stockholm. Im Fahrwasser gen Norden nimmt der Wind weiter zu – auf die bekannten 20 kn, dann in immer kürzer werdenden Abständen auf über 29 kn. JANNE zieht ohne Murren durch die Wellen, wobei sich die Geschwindigkeit nur bei erhöhter Motordrehzahl halten lässt. Wir schauen immer häufiger auf unseren Plotter und versuchen die optimale Route zu finden. Eigntlich sind diese Fahrwasser in einem 90 Grad Winkel zu queren. Wir haben aber Glück, da mehrere größere Schiffe direkt vor uns durchlaufen und wir dann Platz haben. Mit uns sind zwei dänische Segler unterwegs. Es kann also nicht ganz so falsch sein, was wir hier machen. Auf der Südseite von Rådmansö reicht uns der Wind mit Windspitze 29 kn und wir entscheiden uns für den kleinen Sportboothafen Kapellskär (statt für die Weiterfahrt nach Gräddö oder Idön). Die Zufahrt ist spannend: Die Tonnen stehen nicht schön in einer Reihe, sondern eher wild durcheinander (wir halten uns aber daran) und der Wind kommt böig mal von Steuerbord, mal von Backbord. An beiden Seiten des sehr schmalen Fahrwassers kann Fio die Untiefen vom Bug aus sehr deutlich erkennen. Wir lassen JANNE mit Geschwindigkeit bis an unseren Liegeplatz durchlaufen, stoppen auf und machen die Leinen fest – puh.
Die Windverhältnisse nördlich vom Blidösund waren völlig anders und eine spannende Erfahrung für uns, da wir bei dieser hohen Windgeschwindigkeit den Hafen nicht verlassen hätten. Wir haben sehr auf das angepasste Steuern geachtet und die Verkehrssituation im Auge behalten, so dass eine konzentrierte Spannung vorherrschte. Der Ruderdruck war enorm. JANNE bekam einige Duschen mit Ostseewasser, doch das Cockpit blieb trocken. Es war nun gut, dass wir das Groß nicht gesetzt hatten. In solch einer Situation an Deck herumzuturnen muss nicht sein. Auch sind wir noch nicht so abgebrüht, dass wir in diesen interessanten Augenblicken die Videokamera herausholen. Schade, so im Nachhinein.
In der verschlafenen Marina ist nicht viel los. Hin und wieder sind Schweden in kleinen Motorbooten zu ihren Ferienhäusern unterwegs (entweder mit Gepäck oder einer Ladung Holz). Später kommen noch einige andere Segler an den Ausleger für Gäste. Service gibt es nur an einem 800 Meter entfernten Campingplatz.
Der nette junge Schwede an der Campingplatz-Rezeption hat uns mit sehr gutem Englisch und einem perfekten Service umsorgt. Sogar die Schachtel mit 12 Eiern wurde von ihm feinsäuberlich mit einer Nagelschere geteilt, da wir nur 6 Eier kaufen wollten.