Von Borgholm nach Byxelkrok

Es ist 05:30 als der Wecker klingelt. Wir freuen uns auf einige Seemeilen gen Norden aber zuerst auf einen frischen Kaffee. Die allmorgendlichen Vorbereitungen sind mittlerweile Routine und die Arbeiten gehen immer leichter von der Hand. Beim Ablegen fieren wir die Vorleine, bis Achtern der Bojenhaken ausgehakt werden kann. Nach dem Einholen beider Leinen geht es quer durch die benachbarten freien Liegeplätze Richtung Hafenausfahrt.

Die Wettervorhersage berichtet von südöstlichen Winden um 3 Bft. Nach den wechselhaften Winden von der Strecke nach Borgholm sind wir gespannt welche Überraschungen der Wind heute für uns hat. Das tiefere Wasser ist schnell erreicht und wir setzen Groß- und Vorsegel. So laufen wir die ersten der maximal geplanten 30 sm auf unserem Kurs. Byxelkrok wären 30 sm, das nähere Sandvik weniger als die Hälfte.

Plötzlich frischt der Wind auf. Das Anrauschen der Schaumkronen von hinten hatten wir nicht bemerkt. Wir rollen das Vorsegel ein, reffen das Groß und ziehen das Vorsegel wieder halb raus. Der Spuk geht so schnell wie er kam: Wenige Minuten nach unserem Reffen reduziert sich der Wind auf unter 10 kn, die Schaumkronen sind weg. Schön, aber was sollte das? Wir warten noch eine Weile und ziehen das Groß wieder bis in die Mastspitze. Weitere Aktionen dieser Art bleiben uns für diesen Tag erspart. 9 bis 14 kn Wind liegen JANNE oder besser uns am besten: Reffen ist so nicht notwendig und die Geschwindigkeit ist für den Langkieler gut.

Die Blå Jungfru kommt in Sicht. Eine kleine Insel im Norden des Kalmarsundes, die unter Naturschutz steht. Hier war ich bereits währende der Tour mit Wille von Stockholm nach Öland vorbeigesegelt. Schöne Erinnerung!

Das Anlaufen von Byxelkrok ist einfach. Bei guter Sicht lassen sich die eine rote und zwei grünen Tonnen gut ausmachen. Wir bereiten JANNE und uns passend zu der Beschreibung im Hafenhandbuch vor. Bojenhaken, Fender und Leinen werden klar gemacht. Die Realität sieht dann anders aus: Keine Heckbojen, sondern nur hohe Pieranlagen, an denen längsseits festgemacht werden kann. An der Außenmole unterstützen uns zwei schwedische Jugendliche beim Anlegen. Sie legen unsere Leinen um die etwas überdimensionierten Poller. Alle unsere Fender werden zwischen JANNE und Betonwand eingesetzt. So liegt sie sicher.

Byxelkrok ist eigentlich nur eine weit verstreute Ansammlung von Wohnhäusern mit einem Hafen, mehreren Campingplätzen und einem Hotel. Trotz Vorsaison ist der Hafenmeister vor Ort. Da wir nicht viel erwarten zahlen wir nur und ziehen weiter. Erst später am Abend fallen und die Fragen ein. Zum Beispiel: Wo bekommen wir Informationen zum Schießgebiet vor Visby (Gotland) für den kommenden Tag her. Die Seekarte hat nur das Gebiet, aber keine weiterführenden Informationen parat. Der Hafenmeister ist noch im Bereich und unsere Frage wird mit aufwändigem surfen im Internet, und mehreren Telefonaten gelöst. Oder besser versucht zu lösen; denn seine Antwort lautet: „Es sollte nichts sein“. Ich rufe dann zur Absicherung noch seinen Kollegen in Visby an. Dieser bestätigt die vage Aussage – also durch, wenn das Wetter passt. Sie werden schon nicht auf uns schießen.

Die Einwohnerzahl des Ortes verdoppelt sich mit dem Anlegen des Segelloggers SHALOM, inzwischen ein schwedisches Missionsschiff. Ca. 50 Teenies steigen aus und sind bis zum Sonnenuntergang im Hafengebiet nicht zu überhören. Der kleine Vorgeschmack auf die Hauptsaison ist mit dem Auslaufen des „Ausflugsdampfers“ vorbei.

Und dann löse ich noch ein aufgeschobenes Problem: Seit zwei Tagen spült unsere Bordtoilette nicht mehr richtig. Die Demontage der Zulaufleitung zeigt schnell das Problem: Ein kleiner Fisch wurde mit angesaugt und verstopfte den Zulauf. Zum Glück haben wir nicht länger gewartet…

(Text Micha)

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