In der Ankerbucht (Rånöhamn) machten wir direkt vor dem geplanten Auslaufen ein Video von der Wassertiefe unter dem Kiel. Die anschließende Kontrolle der Aufnahmen am Laptop ergab für die Wassertiefe eine Bestätigung der Angabe des Echolots.
Dann kam das Ruder in den Fokus und wir waren starr vor Schreck: Unterhalb des Propellers verlief senkrecht nach unten eine deutlich abgesetzte dunkle, geschwungene Linie. In dem grünlich schimmernden Wasser sah die Linie wie ein Riss über die gesamte Höhe des Ruders aus. Was war geschehen? War der Druck auf dem Ruder doch zu groß? Beim Betrachten des Videos sahen wir sicherlich kreidebleich aus. Wir hatten keine logische Erklärung für die Bilder, die wir sahen. Weitere Aufnahmen aus anderen Blickrichtung ergaben keine besseren Ergebnisse.
Bislang hatte ich die Kamera am Bootshaken befestigt und so an das Ruder geführt. Nun wollte ich mir das selber ansehen. Also Badehose an und rein in das 11 Grad „warme“ Wasser. Nach gefühlten 5 Minuten Abkühlung schwamm ich so schnell wie möglich zum Ruder und tauchte vor Ort ab. Einen Riss konnte ich zumindest nicht fühlen; das passte nicht zu dem Video. Nach zwei Tauchgängen reichte mir die Kälte; nichts wie raus und aufwärmen. Eine weitere Aufnahme zeigte eine gelbe Fortsetzung der noch immer gut sichtbaren Linie. Waren das alte Farbschichten und der Riss war hier bereits größer?
Wir brauchten Bedenkzeit. Genau solche Situationen wollten wir mit den Vorbereitungen im Winter vermeiden. Zum Auslaufen war uns an diesem Tag nicht mehr. In den umliegenden Häfen und Werften konnten wir niemanden erreichen – es war ja Nationalfeiertag… So blieben wir einfach einen Tag länger vor Anker bzw. am Felsen. Mit einem eventuell gebrochenen Ruder wollten wir nicht los. Wir haben noch viele Überlegungen angestellt, sogar einen Inselbewohner angesprochen, uns aber schlussendlich für eine vorsichtige Weiterfahrt am nächsten Tag nach Vreten entschieden.

