Heute soll es in die Ålands gehen. Die Wettervorhersage mit bis zu 12 kn aus nördlichen Richtungen passt. So beeilen wir uns nach dem Aufstehen mit dem Frühstück und den üblichen Vorbereitungen. Der DWARSLÖPER legt kurz nach 6 Uhr ab – wir winken noch freundlich, vielleicht sehen wir uns ja in Mariehamn wieder… Wir legen um 08:27 Uhr ab, laufen unter Motor südlich der Insel Lidön entlang, um dann Richtung Nordnordost aus der Schärenwelt hinaus zu fahren. Nach einer halben Stunde setzen wir die Segel. Das Groß bleibt gleich im ersten Reff. Der Wind liegt zwar noch weit unter der Vorhersage, wir sind aber Optimisten! Der Wind sieht das anders und legt eine Pause ein. Das Vorsegel wird eingeholt und der Motor sorgt über eine 3/4 Stunde für den notwendigen Vortrieb. Dann reicht die Windkraft wieder aus. Leider nur für eine halbe Stunde. Der Motor muss noch einmal kurz aushelfen. Wir verlassen die schützenden Schären und kommen endlich in den Bereich mit beständigem Wind. So sind wir „under sail again“ Richtung Mariehamn unterwegs – jippee!
Nach einer Stunde auf dem offenen Wasser haben die Wellen etwas an Höhe zugenommen. Da sie eine relativ große Wellenlänge haben, ist es für uns kein Problem. Dann nimmt der Wind noch zu und wir haben bei dem anliegenden Kurs (Am Wind) recht viel Schräglage. Trotz erstem Reff im Groß und mittlerweile gerefftem Vorsegel läuft JANNE bei ca. 13 kn Wind über 6,4 kn. Rauschefahrt! Doch leider nimmt die Wellenhöhe weiter zu. Wir schätzen einige von ihnen auf ca. 2 Meter. Diese Schätzungen sind schwer; einen Zollstock können wir ja nicht nutzen. Auf jeden Fall haben wir diese Wellenhöhe noch nicht in einem Segelboot erlebt. Die Grenze zwischen Spaß und Respekt ist erreicht und nachdem wir bei weiter zunehmenden Wind vor uns auf den Wellenbergen immer öfter Schaumkronen sehen, entscheiden wir uns für eine Wende zurück Richtung Schärengarten. Wir sind nicht begeistert und denken noch über die Eindrücke vor dem Umkehren nach. Windstärke und Wellenhöhe passen hier nicht zusammen. Die Wassertiefe kann mit über 100 Metern nicht zu diesem Effekt beigetragen haben. Vielleicht ein Starkwindgebiet weit im Norden von uns!?? Wir finden es nicht heraus und lassen uns nun mit schräg achterlichen Wellen zurückschaukeln.
In den Schären stellt sich wieder normaler Wellengang mit schönem Segelwind ein. Wir kreuzen zuerst Richtung Norden, dann Richtung Südwest, um in den ca. 10 sm langen Fjord nach Norrtälje, unser neu gestecktes Tagesziel, einzubiegen. Gegen 18:00 Uhr legen wir an.
Am Abend spielt Deutschland gegen Ghana. Wir wollen uns das Spiel in einer Sports Bar ansehen. So gehen wir noch schnell in einem Lokal Essen. Uns wird eine Bar mit TV empfohlen und das Essen schnell kommt. Das ist gut so, denn ein Musiker baut seine Instrumente auf (im wesentlichen ein Notebook) und gibt schon ein paar Töne von sich: Nicht unsre Richtung! Also los zu Bier und TV mit Fußball. Die Bar ist nicht ganz voll und nur ein Teil verfolgt das Spiel. Wir werden natürlich als Deutsche identifiziert und ein angeheitereter Schwede spricht uns an: Ob wir uns an das 4:4, Deutschland gegen Schweden erinnern? – Natürlich nicht 😉 Hier bleibt es auch unentschieden: So kommt keine Stimmung auf! Die finden wir nach dem Spiel in dem zuvor besuchten Lokal. Zur Musik wird getanzt, die Musik ist noch immer nicht unser Geschmack. Wir gehen lieber zu JANNE.