Nach zwei Regentagen und einem weiteren „verschlafenen“ Tag drehen wir uns auch heute ein weiteres Mal um, als der Wecker um 06:00 Uhr klingelt. Um 07:30 raffen wir uns auf für Dusche, Frühstück und Tanken (Wasser und Diesel).
Hafentage machen träge! Es ist ein tägliches Sonntagsgefühl mit einem Becher Kaffee in der Koje zu sitzen und zu schmöckern.
Ablegen ist somit erst um 11:30 Uhr. Unsere nette finnische Nachbarin ist beim Ablegen behilflich indem sie vom Anleger aus eine Vorleine hält. Ich gebe noch ein paar Anweisungen wie sie es machen möge, damit ich zufrieden bin. Sie kommentiert mit: „Ja, Kapitän“. Das höre ich gerne. 😎 Wahrscheinlich hatte sie nur Bedenken, dass wir bei dem seitlichen Wind und Schwell an ihr Boot gedrückt werden. Doch alles geht gut.
Wir setzen das Groß und das Vorsegel nehmen wir halb raus. Der Wind hat die Vorhersage nicht gelesen und macht in dem engen Fjord was er will: Seine Stärke variiert zwischen 3 und 14 kn; dazu dreht er dermaßen, dass wir über 30 Grad abfallen bzw. an den Wind gehen müssen. Bei diesen Bedingungen kreuzen wir mit JANNE durch den Norrtäljeviken Richtung Osten. Über uns zieht ein großer Greifvogel seine Bahn. Bereits in Gräddö hatten wir einen beobachten können. Leider ist er sehr schnell und wir können ihn nicht fotografieren.
Je weiter wir nach Osten kommen, je mehr nimmt der Wind zu. Das Groß kommt frühzeitig in das erste Reff. Als der Fjord sich nach Norden hin öffnet, weht der Wind immer beständiger und mit bis zu 17 kn. Wir reffen das Groß erneut, kommen aber noch immer mit nahezu 6 kn und ordentlich Schräglage voran. Bei nur geringem Wellengang ist es Spaß pur.
Dennoch müssen wir aufpassen – wir sind schließlich in den Schären: Bei der Untiefentonne nördlich von Gyltan wollen wir abkürzen. Wir übersehen dabei fast eine Schäre, die nur wenige cm aus demWasser ragt. Zum Glück entdeckt Fio die Schäre noch rechtzeitig und reagiert prompt mit einer Wende in Richtung tiefes Wasser. Gut aufgepasst!
Wir wollen in die östliche Ankerbucht von Lidön. Unser AIS „entdeckt“ einen Segler, als wir ankommen ist die Bucht voll. Mindestens 10 Boote liegen bereits vor Anker. Nur der südliche Teil ist frei. Dort wollen wir bei dem Wind aus Nord jedoch nicht liegen. Wir umrunden die Insel im Süden und legen an dem fast leeren Steg in der westlichen Bucht an.
Auf Lidön gab es in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts eine große Nerzfarm. Einige kleine Gebäude wurden renoviert und werden für Pferde sowie land-/forstwirtschaftliche Geräte genutzt.
Unsere Liegegebühr bezahlen wir in dem Krog, welcher laut Hafenhandbuch eine gute Küche haben soll. Große gepflegt Anlage, bequeme Liegemöglichkeiten auf der Terrasse, nette Musik; man könnte glatt auf ein Bier bleiben.
Wir wandern weiter zur Bucht im Osten der Insel, die noch immer voll ist, und entdecken das finnische Boot aus Nörrtälje. Die Crew hat am Heck von einem anderen Boot (welches selbst mit Heckanker an einem Steg liegt) festgemacht. Gute Idee, aber wir liegen besser.
Das heutige Segeln zwischen den Schären hat unglaublich viel Spaß gemacht: Hohe Geschwindigkeit, Schräglage, große und kleinen Schären, mäßige Wellen, kaum Boote, manchmal Sonnenstrahlen, keine Schauer, keine Eiseskälte. Das Segeln in den Schären ist so abwechslungsreich und fordert uns seglerisch und navigatorisch. Tolle Segelstunden, die einfach glücklich machen. Zum Abendessen machen wir uns Nudeln mit dem Hackfleisch-Gemüse-Rest vom Vortag (da gab es Tortillas). Endlich können wir wieder einen Sonnenuntergang im Cockpit erleben – mit vielen Kissen und Bettdecke ist der kalte Nordwind zu bändigen.
1 Antwort zu Von Norrtälje nach Lidön