Am Morgen erledigen wir die restlichen Vorbereitungen zum Anlegen: Eine Wäscheladung, Einkauf von frischem Brot, Gemüse und gefrorenem Lachs. Wir füllen die letzten 10 Liter Diesel aus einem Kanister in den Bootstank und füllen danach unsere drei Kanister an der Bootsankstelle wieder auf.
Bezahlen wollen wir für die Liegeplatz auch noch, da die Touristeninfo am Sonntag geschlossen hatte. Wir werden gut beraten, brauchen jedoch für Liegeplatz und Strom nichts zu bezahlen. 🙂 Es sei der Einführungspreis nach der Hafenumgestaltung. Diese gefällt uns nur wenig, da das Fahrwasser zwischen den neuen Liegeplätzen nicht viel mehr als eine Bootslänge breit ist. Manövrieren ist dort schwierig und für JANNE nichts. Jetzt in der Nachsaison konnten wir uns einen guten Platz aussuchen.
Wir werden auch hier auf den Namen von JANNE angesprochen. „Ein Boot mit einem männlichen Namen?“ erkundigt sich eine Gruppe schwedischer Männer. Ich erkläre kurz, dass man einen Bootsnamen nicht ändern sollte und Janne in Deutschland ein Mädchenname sei. Weitere Gespräche mit dieser Gruppe bleiben mir erspart; starten sie den Tag nicht mit Kaffee sondern mit einer Dose Bier.
Kurz nach der Mittagszeit kommen wir los. Der vorhergesagte Ostwind dreht in dem Fjord auf Südost. Genau von vorne. Wir setzen bald die Segel und kreuzen gegenan. Der Wind weht sehr unterschiedlich in Stärke und Richtung. Entsprechend sieht der Track aus: Die Zacken ähneln teilweise eher einer Zipfelmütze als einem Sägezahn.
Gegen 19.00 Uhr laufen wir eine Ankerbucht an und legen uns an einen Felsen. Beim Anlegen merken wir noch nicht, dass JANNE aufliegt. Wir spannen die Leinen und bemerken den Fehler erst später.
Als wir uns beide im Salon bewegen, lässt uns eine merkwürdiges, unheimliches Knarzen aufhorchen. Irgendwie fühlen sich die Bewegungen von JANNE anders an. Es kann nur eine Ursache geben (da auch die Tiefenangabe verdächtige 0,00 m anzeigt). Beim Anlegen war die Gewichtsverteilung anders und beim Anlegemanöver an Land sind wir grundsätzlich sehr langsam. Daher ist uns nichts aufgefallen. Doch nun ist es passiert, JANNE liegt im hinteren Bereich auf bzw. kommt an den Felsen. Ein schreckliches Gefühl, ich leide körperlich mit JANNE.
Sofort starten wir den Motor und holen vorne die Leinen ein. Aber ich kann JANNE mit der Heckleine nicht mehr nach hinten weg ziehen. Erst nach dem auch Fio ans Heck geht, gelingt es. Die Sonne ist zwar bereits untergegangen, für ein weiteres Anlegemanöver reicht das Licht aber noch aus. An der neuen Stelle liegen wir sicher mit ausreichender Wassertiefe für eine ruhige Nacht.